orten

Fotoausstellung
in der Alten Feuerwache Melchiorstr. 3 50670 Köln

23.2.-28.2.2008 Öffnungszeiten 10-20 Uhr

Eröffnung mit Musik: 23. Februar 2008 ab 18 Uhr,
ab 22 Uhr Party

www.altefeuerwachekoeln.de

ORTEN - ein sperriges Verb, und doch eine treffende Bezeichnung für den Prozess, den ein Fotograf durchläuft, wenn er mit Hilfe seiner Kamera versucht, Strukturen zu schaffen. Fremde Orte, fremde Menschen, fremde Zeichen. Der Fotograf ist auf der Suche nach einem System. Seine Fotos sollen ein ästhetische Deutung dessen liefern, was er vorfindet. Wie wirkt der Ort auf den Menschen ein? Und was macht der Mensch mit dem Ort? 
Die Kölner FotografInnen Anna Papoulias, Daniel Richter, Sibylle Mall, Martin Scherag und Katrin Klosterkötter sind allesamt aufgebrochen, um Einblicke zu erhalten in neue Orte. Ob aus Leverkusen, Garzweiler, Granada, Kiew oder Baghdad, ob aus nächster Nähe oder aus weitester Ferne, mitgebracht haben sie ihre persönliche Interpretation unterschiedlichster Mikrokosmen.  Entstanden sind dabei nicht nur Dokumente der Ferne, sondern Fotoarbeiten, die losgelöst von ihrem Entstehungsort geschlossene visuelle Eindrücke verschaffen: Der Ort als Lebensraum wird durch seine Ästhetisierung zugleich zum grafischen Objekt.

Den weitesten Weg zurückgelegt hat Anna Papoulias. Die Absolventin der Berliner Lette-Fotoakademie reiste für ihre Fotoarbeiten schon in die Mongolei, nach China und in den Irak.  Ihre Serien wurden in zahlreichen Einzelausstellungen u.a.  im Historischen Museum Frankfurt a.M. und in der Galerie ADAM, Athen gezeigt.  Im Rahmen von ORTEN präsentiert sie Bilder aus einem  in den 70ern erbauten Altersheim am unwirtlichen Stadtrand von Baghdad, das 150 Menschen beherbergt.  Die Anmut der porträtierten alten Menschen steht dabei im Kontrast zur Trostlosigkeit der Umgebung.  Und doch liegt in der Stille der Fotografie ein hohes Maß an Wärme verborgen.  Mit begrenzten Mitteln erschaffen die alten Menschen einen würdevollen Lebensraum.

Katrin Klosterkötter zieht es regelmäßig in den Osten:  nach Russland, auf die Halbinsel Krim oder in die Ukraine.  Dort sucht sie nach Motiven, die sie als  Belege der Sehnsucht mit nachhause bringt. Die Grafikerin und dreifache Mutter hat seit 1988 eine Vielzahl  fotografischer Tagebücher angefertigt.  Dabei steht vor allem der Prozess des Unterwegsseins in einer fremden Umgebung im Vordergrund: Begegnungen, Augenblicke, Zufälligkeiten. Im Rahmen von ORTEN zeigt Katrin Klosterkötter Fotografien aus Kiew und Kramatorsk -  morbide Städte zwischen postkommunistischer Tristesse und längst vergessen geglaubter Poesie des Alltags.

Über einen Zeitraum von einem halben Jahr hat Martin Scherag das Barrio Almanjavar beobachtet, ein Neubauviertel in der nördlichen Vorstadtperipherie Granadas.  Die nach und nach entstehenden Wohnparks sind in sich abgeschlossen und können nur von ihren Bewohnern genutzt werden.  Die präzisen Fotografien dokumentieren einen Entstehungsprozess, der eben so gut als Verfallsprozess interpretiert werden könnte. Die auf den Fotos befindlichen Menschen wirken in dieser an sich menschenleeren Umgebung deplaziert und verloren. Martin Scherag arbeitet seit 2003 als freier Fotograf und studiert seit 2004  Fotodesign an der FH Dortmund.

Ganz und gar menschenverlassen sind die Fotografien von
Daniel Richter, ebenso Fotodesign-Student an der FH Dortmund. Doch gerade in der gespenstischen Abwesenheit von Personen liegt das Leitmotiv seiner Serie, die in Garzweiler entstanden ist, einem der größten deutschen Braunkohletagebaugebieten, befindlich  zwischen Aachen, Köln, Düsseldorf und Mönchengladbach. Landschaften verschwinden hier von der Erdoberfläche,  ganze Dörfer werden abgetragen und die Bevölkerung zwangsumgesiedelt. Daniel Richter hält seit 2005 die Veränderungen in den Dörfern Otzenrath und Holz fest und dokumentiert die sozial wie ästhetisch bizarren Folgen.

Die kürzeste Reise musste Sibylle Mall für ihre Fotoarbeit auf sich nehmen, und doch zeigt auch ihre Serie, für die sie jüngst mit dem Änne-Biermann-Preis ausgezeichnet wurde, einen ganz eigenen Mikrokosmos.  Die Dipl. Sozialwissenschaftlerin, freie Fotografin und Mitbetreiberin des Kölner Fotoraum hat Jugendliche in einer Hochhaussiedlung am Rande von Leverkusen  portraitiert. Die vornehmlich aus unterprivilegierten Migrantenfamilien stammenden Jugendlichen leben im Spannungsverhälnis zwischen der Kultur ihres Elternhauses und den Ansprüchen der deutschen Gesellschaft. Kontrastiert werden die Porträts mit nüchtern wirkenden Aufnahmen der Siedlungsarchitektur.

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