Baghdad 1999

Montag, 31.5.1999/ Altersheim

9:30/ 39 °C

Es geht zum Altersheim. Am Eingang ein Portrait vom Präsidenten Saddam Hussein mit alten Menschen. Der Weg dorthin, in den Nord-Osten der Stadt in das Saddam Hussein-Viertel ist erschreckend ärmlich und heruntergekommen. Eine Art "Ackerstreifen" schließt dieses Viertel ab, aber dort wird kein Gemüse angebaut. Überall fliegen Plastiktüten und deren Fetzen herum.
An einer Mauer, die mit Stacheldraht abgeschlossen ist, sind tausende von diesen Tüten hängen geblieben. Es sieht grotesk aus, die Erde übersät mit Plastikabfall.
Pferde stehen auf diesem eigenartigen Erdstreifen, Kinder wühlen in ihm herum, ich frage mich, wonach sie suchen könnten. Ziegen mit überlangen Ohren und Schafe verweilen dort. Man ist irgendwie am Ende der Welt und am letzten Zipfel davon befindet sich das Altersheim.
Das Gebäude scheint in den 1970er Jahren erbaut worden zu sein. Etwa 150 Menschen können hier beherbergt werden.Kleider und Essen werden gestellt. Anscheinend werden einige Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten angeboten.
Männer und Frauen sind getrennt untergebracht. Meist gibt es Schlafsäle. Nur einige Bewohner sind privilegiert, Einzelzimmer zu haben, wie eben die ehemaligen Funktionäre oder Staatsbeamte.
Jeder von Ihnen hat ein Einzelzimmer, dass je nach Charakter eingerichtet und instand gehalten wird. Einige Zimmer wirken trostlos.
Andere wiederum haben mit den Mitteln, die sie zur Verfügung hatten, sehr liebevoll ihr kleines Zuhause geschaffen. Ich treffe auf jemanden, der fließend deutsch spricht. Wir reden lange: Er will mir seinen Dank vermitteln,dass ich gekommen bin, dass ich sie besuche und die Bilder nach außen trage....